Abstract
Wegen Änderungen der Landnutzung sind viele Arten heute auf das Überleben kleiner und isolierter Populationen in Resten intakter Habitate angewiesen. Doch auch in intakten Habitaten besteht ein lokales Aussterberisiko. Dies wird am Beispiel von Pflanzenarten in intakten Halbtrockenrasen des Schweizer Jura gezeigt, die zwischen 1950 und 1985 umso stärker von lokalem Aussterben betroffen waren, je kleiner und isolierter ihre Populationen waren, und je kürzer ihre Generationszeit war. Anschliessend werden verschiedene Beiträge zur Vitalität von Populationen am Beispiel von Gentianella germanica illustriert: Habitateigenschaften, unvorhersehbare Fluktuationen der Umwelt, genetische Effekte, biotische Wechselwirkungen (Konkurrenz und Bestäubung), und globale Veränderungen (am Beispiel des ansteigenden CO2-Gehalts der Luft). Da verschiedene Arten unterschiedlich reagieren, können die an G. germanica illustrierten Faktoren bei anderen Arten zu unterschiedlichen Konsequenzen führen. Um die Basis für allgemein gültige Empfehlungen für den Naturschutz zu verbessern, ist es deshalb unbedingt notwendig, weitere zurückgehende und auch stabile Arten populationsbiologisch zu untersuchen. Dennoch machen die angeführten Beispiele deutlich, dass die Erhaltung kleiner Habitatreste (und seien es noch so gut gepflegte Naturschutzgebiete) keine Garantie für das Überleben lokaler Pflanzenpopulationen darstellt. Als dringendste Naturschutzmassnahme muss deshalb der weiteren Zerstörung, Fragmentierung und Degradierung rar gewordener natürlicher und halbnatürlicher Habitate vorgebeugt werden.

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