Die Algenflora des Rheines von der Quelle (Tomasee) bis Basel

Abstract

Als nach dem 1. November 1986 in vielen Zeitungen in zum Teil riesigen Lettern zu lesen war: Der Rhein ist tot, habe wir uns als Biologen die kritische Fragen stellen müssen: «Ist der Rhein wirklich tot?»

Wir hatten damals vor und nach dem Einfluss der ominösen Brühe in Schweizerhalle mit einer Arbeitsgruppe der Basler Botanischen Gesellschaft wöchentlich Steine vom Rheinbett genommen und sie in ein Aquarium gelegt. In einem Biologiezimmer des Gymnasiums Bäumlihof hatten wir dann während eines guten halben Jahres den Belag von den Steinen abgekratzt und mikroskopisch untersucht. Jede Woche hatten wir neue Proben aus dem «verseuchten» Gebiet genommen und sie mit den bereits untersuchten verglichen. Nach den jeweiligen Untersuchungen hatten wir die Steine nicht fortgeworfen, sondern im Schulzimmer belassen. Die Aquarien hatten wir auf dem Fensterbrett des Schulzimmers stehen gelassen, um auch die Schüler die weitere Entwicklung miterleben zu lassen. Im Verlaufe des Winters zeigte es sich zu unserem Erstaunen, dass die schwarzen, «verschlammten» Steine, die vom Birskopf stammten, einen grünen Belag bekamen. Interessiert machten wir uns wieder ans Bestimmen. Erfreulicherweise fanden wir eine grosse Zahl von verschiedenen Algenarten, die dem totgesagten Material entwachsen waren. Während in allen Zeitungen von einer zehn Jahre langen Erholungsphase die Rede war, waren wir uns in unseren Arbeitsgruppe einig, dass sich das Gewässer in der nächsten Vegetationsperiode wieder erholt haben werde. Wenn die Primärproduzenten einmal da sind, lassen die Konsumenten nicht lange auf sich warten. 

https://doi.org/10.12685/bauhinia.1856
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