Über eine Varietät von Soldanella alpina L.

Abstract

Anlässlich einer Exkursion der Basler Botanischen Gesellschaft im Jahre 1961 auf die Cimetta Cardada (1670 m) ob Locarno (Tessin), fielen dem Verfasser neben normalen Pflanzen von Soldanella alpina L. solche auf, die in allen Teilen etwas kräftiger aussahen. Blätter, Stengel und Blüten waren im Vergleich mit den normalen Formen nicht nur leicht grösser, sondern auch stärker in den Farben: dunkler grün resp. rotviolett. Ausserdem wiesen die Blütenstände meist 3 (-4) Einzelblüten auf gegenüber 2 (-3) bei den normalen Pflanzen.

Bei der näheren Untersuchung zu Hause zeigten sich in den wesentlichen Differentialeigenschaften keine Unterschiede zwischen den normalen und den auffälligen Pflanzen, insbesondere nicht bei der Bedrüsung. Die Drüsen an Blatt- und Blütenstielen waren bei allen Exemplaren wenigzellig gestielt. Ein erneuter Besuch des Fundortes erfolgte am 22. April 1972. Doch lag die Cimetta unter knietiefem Schnee. Einzig unter einer weitausladenden Fichte war der Boden so weit aper, dass zwei Pflanzen am Schneerand entdeckt und mitgenommen werden konnten. Die noch in Entwicklung stehenden Blütenstengel waren unter dem Schneedruck beinahe alle gebrochen, doch konnte an der Färbung erkannt werden, dass die zwei Pflanzen verschieden waren. Sie wurden in Basel ausgesetzt, entwickelten aber im gleichen Jahr nur einzelne Blüten, blühten jedoch reichlich anfangs April 1973, nachdem sie im Freien überwintert hatten. Leider überlebten sie den Sommer 1973 nicht. Die eingangs erwähnten Unterschiede waren deutlich sichtbar und wurden auch von zufälligen Besuchern festgestellt.

https://doi.org/10.12685/bauhinia.1960
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