Abstract
Die Schweiz gilt im Hinblick auf ihre einheimische Flora mit Recht als eines der am besten durchforschten Länder. Ein Grund dafür liegt vermutlich in ihrem relativ grossen Artenreichtum, der sich zumal auf die Alpenpflanzen bezieht. Sie erfreuen sich auch in sonst botanisch nicht interessierten Bevölkerungskreisen einer ausgesprochenen Beliebtheit, die von der im Verhältnis zur ganzen Pflanze oft auffallenden Grösse der Blüten und der Intensität ihrer Farben motiviert sein mag - beides Merkmale, welche besonders auf dem Hintergrund ihrer Umgebungen, etwa der Felswände und Geröllhalden, zur Geltung kommen -. Vielleicht spielt dabei das gefahrenumwitterte Edelweisspflücken ebenfalls gelegentlich mit. Daraus wird verständlich, weshalb illustrierte, sich an ein grösseres Publikum wendende Taschenbücher über die Alpenflora häufiger erscheinen als solche über Wiesen- oder Wasserpflanzen. Dem Zauber der Alpenflora vermochten indessen auch die Fachbotaniker nicht zu widerstehen, obgleich bei ihnen statt des aesthetischen Aspektes sachliche Fragen der Verbreitung, der Oekologie, der Herkunft u. a. im Vordergrund stehen. Das bezeugen nicht zuletzt auch die sorgfältigen Studien unseres Jubilars etwa über Euphrasia Christii Favrat und Potentilla grammopetala Moretti (vgl. das Verzeichnis seiner Schriften in diesem Heft, S. 109-116). Aber vorallem sind es die schon seit vier Dezennien in den «Berichten der Schweizerischen Botanischen Gesellschaft» jedes zweite Jahr erscheinenden «Fortschritte in der Systematik und Floristik der Schweizerflora (Gefässpflanzen)», in denen Dr. Alfred Becherer mit grösster Gewissenhaftigkeit und Umsicht die neuen Fundorte der bemerkenswerteren und das Erlöschen der seltenen Arten unserer heimischen Flora verzeichnet und derweise zur Vervollständigung ihrer Kenntnis Wesentliches beiträgt. Er ist heute der reinste und konsequenteste Repräsentant der schweizerischen Floristik: so mag es am Platze sein, zur Feier seines 70. Geburtstages einige unverbindliche Reflexionen über den Sinn seines lebenslangen Tuns vorzulegen.

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