Sechzig Jahre Hordeum jubatum L. im Oberengadin (Schweiz)

Abstract

In der Schweiz wurde Hordeum jubatum L. zum ersten Male im Jahre 1906 in der Ortschaft Samaden, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt des Oberengadin, gesammelt (Thellung 1907). Seitdem ist diese fremdländische anthropophile Grasart als vorübergehender Passant hier und dort auf Schweizer Boden beobachtet worden, aber zu einer dauerhaften Ansiedlung kam es anscheinend nur im inneralpinen Hochtal des oberen Inn und seiner Seitentäler, in Höhenbereichen um 1700 m. Besonders aus dem Raum Pontresina – St. Moritz – Bevers ist H. jubatum in den Herbarien gut belegt. Die zahlreichen in einem Zeitraum von sechs Jahrzehnten zusammengetragenen Belegexemplare und eigene Geländekenntnisse erlauben die Feststellung, dass zumindest eine grössere Unkrautpopulation von H. jubatum auf dem weitläufigen Gelände des Bahnhofs Samaden völlig eingebürgert ist, indem sie sich nämlich dort seit den zwanziger Jahren fortwährend generativ verjüngt und sich bis auf den heutigen Tag behauptet und weiter ausbreitet (vgl. auch Candrian 1928 und Suessenguth 1935). Zukünftige und auch einige frühere Funde von H. jubatum ausserhalb des Bahnhofsgeländes in Samaden könnten durchaus mit diesem bemerkenswerten Pflanzenvorkommen im Zusammenhang stehen, was bedeuten dürfte, dass nicht in jedem Falle einer älteren oder neuen Beobachtung von H. jubatum im Oberengadin eine direkte Einschleppung aus dem Ausland oder eine unmittelbare Verwilderung aus Zierpflanzenkulturen angenommen werden müsste.

https://doi.org/10.12685/bauhinia.2056
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