Wie Menschenrechte erzählt werden und was das für ihre Schutzwirkung bedeutet
Abstract
Für die Schutzwirkung und die Gestaltungskraft der Menschenrechte ist entscheidend, wie über sie gesprochen wird, welche Erzählungen – Narrative – herangezogen werden, um darzustellen, woher sie kommen, was sie sind und wie sie wirken. Auch wenn die nachfolgende Liste etwas zugespitzt sein mag, dann ist es dennoch sinnvoll, auf diese Narrative zu achten, wenn
sie in der Regel auch oft nur unausgesprochen auftreten. Oft handelt es sich bei den nachfolgend untersuchten Narrativen eher um latent vorhandene Eindrücke über die Menschenrechte als um systematische und ausformulierte Beschreibungen oder Kritiken. In der Regel wird es daher nicht möglich sein, sie auf eine spezifische Quelle zurückzuführen. Dennoch: Narrative
legen vieles offen zum Geltungsgrund und zum Ursprung der Menschenrechte, von denen die jeweils Sprechenden ausgehen. Sich mit ihnen zu befassen ist daher eine Voraussetzung dafür, Menschenrechte schützen und fördern zu können. Das gilt besonders im aktuellen Moment, wo Menschenrechte im Westen vielleicht das erste Mal in der Nachkriegszeit von politischen Kräften mit Aussicht auf die politische Macht grundsätzlich in Frage gestellt werden. Zwar gab es immer Kritik und Gegenkräfte zu den Menschenrechten und schlichtes Desinteresse ihnen gegenüber. Sich mit Menschenrechtsnarrativen zu befassen, hilft aber, die neue Qualität dieser grundsätzlicheren Gegenbewegung zu identifizieren und diese in ein Verhältnis zu setzen zu früheren und weiter bestehenden Gegentendenzen zu den Menschenrechten.